Im vergangenen Herbst entschieden meine Partnerin und ich uns dazu uns gegenseitig einen Adventskalender zu basteln. Nun bin ich als Perfektionist nicht der Typ Mensch, der als erstes zum 1,- EUR Schokoladenkalender vom Discounter greift. Daher suchte ich nicht nur nach einer Möglichkeit das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden, sondern wollte bei meiner Bastelarbeit auch den ökologischen Aspekt berücksichtigen. Konket bedeutet dies, dass der Kalender folgende Kritieren erfüllen sollte:

  • individuell
  • bezahlbar
  • aus up- oder recycleten Materialien (kein Plastik)
  • wiederverwendbar (auch nach Weihnachten)

Bei der Suche nach originellen Inspirationen stieß ich dabei im Internet auf die Adventskalender Lichterstadt aus Gläsern der Seite wunderbare-enkel.de. Die Idee ist so simpel wie genial: Zunächst werden alte Aufstrichgläser als Häuschen dekoriert und mit kleinen Geschenken befüllt. Sobald dann das jeweilige Päckchen geöffnet wurde, kann das Haus mittels eines brennenden Teelichtes zum Leben erweckt werden und noch über die Weihnachtszeit hinaus das heimische Ambiente verschönern.

DSC_7698

Als ich mich dann Mitte November an das Basteln machte, erkannte ich beim genaueren Betrachten der Bilder auf oben genannter Seite, dass die Häuschen der Kinder sehr simpel gearbeitet waren, und nicht so ganz meinen Vorstellungen entsprachen. Ich machte mich also auf die Suche nach Vorlagen: zum einen im Internet, jedoch auch in der kleinen Stadt, in welcher wir zur Zeit leben – da es dort von Fachwerkhäusern nur so wimmelt. Den Großteil der benötigten Materialen hatte ich endweder noch zuhause (z.B. Gläser, Klebstoff, Backpapier, Schere, Stifte, …) oder sammelte es mir für lau im angrenzenden Waldstück (Moos, Baumrinde, Borke, Efeu, Tannenzapfen). Das wenige, was noch fehlte, bekam ich für fast nichts im Bastel- oder Gemischtwarenladen (Tonpapier, Wellpappe, Teelichter, Streichhölzer).

DSC_7719
Die Gaststube
DSC_7718
Die Bäckerei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Häusern selbst gab ich ein sehr detailliertes Äußeres, entsprechend ihrer Verwendung und des Inhalts, welchen ich versuchte den jeweiligen Geschäften anzupassen. So wurde ein ehemaliges Schoko-Aufstrichglas zur mehrgeschossigen Bäckerei mit eigenem Verkaufsgeschäft. Als Inhalt gab es an diesem Tag Butterspekulatius. Als Gaststube wiederum wählte ich ein Aufsrichglas mit sehr breiter Öffnung, sodass als Geschenk eine Flasche Malzbier darin Platz hatte. Die Schneiderei hingegen wurde ein verhältnismäßig kleines Glas, in welches ich etwas Garn und  Sicherheitsnadeln verstaute. Gekennzeichnet waren diese Gebäude zudem nicht mit den obligatorischen Nummern 1 bis 24, sondern stattdessen mit Mittelalterlichen Wappen, welche die Bestimmung der Häuser eindeutig machte. Und wenn ich mal kein passendes Wappen gefunden hatte (z.B. beim Beruf des Lebzelters), dann dachte ich mir eben eines aus. Findige Leser und Leserinnen werden sich jetzt sicherlich fragen, in welcher Reihenfolge dann die „Türchen“ zu öffnen gewesen waren. Ganz einfach: Mit einem kleinen Begrüßungstext am ersten Dezember verwies ich auf das von mir erwählte erste Haus, in welchem sich dann eine kurze Geschichte befand. Am Ende dieser war zu lesen, welches Haus am nächsten Tage zu besuchen sei.

DSC_7714
Das Mooshaus

Die Reise führte übrigens nicht nur in durch die Häuschen der fiktiven Stadt „Advenzia“, sondern auch in den angrenzenden Wald, zu welchem unser Fensterbrett mit den vielen Topfpflanzen umfunktioniert wurde. Dort standen dann natürlich keine Fachwerkhäuser, sondern eigens kreierte Blockhütten, Pilzhäuser, Tipis und Mooshäuser. Zugegeben, der Aufwand sich solche Häuschen auszudenken, zu basteln, und dann auch noch eine Geschichte dazu zu schreiben ist verhältnismäßig hoch. Aber angenommen man fertigt jeden Tag ein Häuschen, welches man dann auch noch das ganze Jahr als hübsches Windlicht stehen lassen oder später noch verschenken kann, fasst sich mit den Texten kurz, … Dann hat man innerhalb wenige Wochen eine ziemlich hochwertige Geschichte kreiert.

DSC_7721
Der Wachturm

DSC_7681

 

Am besten gelungen finde ich übrigens das Hexenhäuschen. Hierfür nahm ich ein verhältnismäßig hohes Glas und umklebte es zuerst mit einer Schicht Backpapier (welches ein angenehm warmes Licht in der Fenster erzeugt). Darauf klebte ich die Fassade des Hauses: Ein großes Stück Birkenrinde, welche ich als ganzes um das Glas legte und anklebte. Hier scheint später kein Licht durch, da die Rinde zu dick ist. Zum Teil schnitt ich mit einer Nagelschere auch noch Fensterlöcher ein. Da die Rinde unregelmäßig abgerissen war, klebte ich an die freien Stellen, welche nicht von „Fassade“ bedeckt waren eigens zugeschnittene Holzreste (Verpackung von Pilzen bzw. Erdbeeren!) und malte sie etwas mit selbst angerührter Pigmentfarbe an, um so einen Hauseingang zu symbolisieren. An manche Stellen klebte ich auch etwas Moos. Das Dach besteht schlichtweg aus zwei verschiedenen Stücken Borke anderer Bäume, welche ich zuvor auf der Heizug getrocknet hatte. Wenn sie lang genug sind, werden sie einfach an das Glas angelehnt und müssen nicht exra befestigtwerden. So entsteht der Effekt eines dreieckigen Häuschchens mit Spitzdach. Meines hat oben links sogar ein kleines Dachfenster bekommen. Wichtig ist nur, dass die Dächer oben offen sind, sodass einem das Windlicht nicht in Flammen aufgeht!

DSC_7697
Das Hexenhaus
DSC_7693
… mit Dachfenster